E-Rechnung im Hotel: ZUGFeRD oder XRechnung – was du jetzt wissen musst
Ab 2025 wird die E-Rechnung Pflicht – auch für Hotels. Wann du ZUGFeRD oder XRechnung brauchst, welche Fristen gelten und wie du 3 Stunden pro Woche sparst.
Mittwochmorgen, 9:17 Uhr. Dein Gast aus Stuttgart checkt aus, zahlt bar und bittet um eine Rechnung für seine Firma. Du druckst das PDF aus, steckst es in einen Umschlag – und merkst: Ab Januar 2025 darfst du diese Rechnung nicht mehr einfach per E-Mail als PDF schicken. Die E-Rechnungspflicht kommt. Und sie trifft auch dein 8-Zimmer-Haus in den Alpen.
Muss dein Hotel ab 2025 wirklich E-Rechnungen im ZUGFeRD- oder XRechnung-Format ausstellen? Ja – aber nur für bestimmte Gäste. Ab dem 1. Januar 2025 sind Hotels in Deutschland verpflichtet, Rechnungen an andere Unternehmen (B2B) elektronisch im strukturierten Format (ZUGFeRD oder XRechnung) zu übermitteln. Für Privatgäste (B2C) bleibt das klassische PDF erlaubt. Die Pflicht gilt für alle Rechnungen über 250 € netto – aber Achtung: Ab 2027 sinkt diese Grenze auf 0 €. Wer sich nicht daran hält, riskiert Bußgelder und Probleme mit dem Finanzamt.
Wann gilt die E-Rechnungspflicht für Hotels konkret?
Die E-Rechnungspflicht nach § 14 UStG betrifft dich, sobald du an ein anderes Unternehmen (z. B. Firmenkunden, Reisebüros, Eventagenturen) eine Rechnung stellst. Drei konkrete Fälle aus der Praxis:
- Firmenbuchung für eine Tagung: Ein mittelständisches Unternehmen bucht 5 Zimmer für eine Schulung. Die Rechnung über 2.400 € netto musst du ab 2025 als ZUGFeRD oder XRechnung ausstellen.
- Reisebüro-Kommission: Du arbeitest mit einem Reisebüro zusammen, das 15 % Provision auf Buchungen erhält. Die monatliche Abrechnung (z. B. 850 €) fällt unter die Pflicht.
- Wartungsvertrag mit einem Handwerker: Selbst wenn du nur 300 € netto für die jährliche Klimaanlagenwartung zahlst – ab 2027 musst du auch hier eine E-Rechnung verlangen (als Rechnungsempfänger).
Ausnahme: Privatgäste (z. B. Urlauber, Hochzeitsgesellschaften) können weiterhin eine normale PDF-Rechnung erhalten. Hier reicht das einfache Format.
| Rechnungsart | B2B (Firmenkunden) | B2C (Privatgäste) | Ab wann Pflicht? |
|---|---|---|---|
| PDF (unstrukturiert) | ❌ Nicht mehr erlaubt | ✅ Erlaubt | Ab 2025 (B2B) |
| ZUGFeRD | ✅ Pflicht (ab 250 €) | ❌ Nicht nötig | Ab 2025 |
| XRechnung | ✅ Pflicht (ab 250 €) | ❌ Nicht nötig | Ab 2025 |
| Papier | ❌ Nicht mehr erlaubt | ✅ Erlaubt | Ab 2025 (B2B) |
Quelle: § 14 UStG, geändert durch das Wachstumschancengesetz 2024
ZUGFeRD vs. XRechnung: Was ist der Unterschied – und was brauchst du?
Beide Formate sind strukturierte E-Rechnungen, aber sie haben unterschiedliche Stärken:
ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland):
XRechnung:
- Reines XML-Format, ohne PDF-Anteil. Wird vor allem von Behörden genutzt (z. B. wenn du an öffentliche Einrichtungen vermietest).
- Für Hotels weniger praktisch, weil Gäste die Rechnung nicht einfach lesen können.
Welches Format solltest du wählen?
- 90 % der Hotels sind mit ZUGFeRD besser bedient. Es ist benutzerfreundlich und erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen.
- Nur wenn du an Behörden vermietest (z. B. Gemeinde, Landesbetrieb), brauchst du XRechnung.
Beispiel: Dein 12-Zimmer-Hotel in Bayern vermietet regelmäßig an eine lokale Volkshochschule. Hier musst du XRechnung nutzen. Für alle anderen Firmenkunden reicht ZUGFeRD.
Wie erstellst du eine E-Rechnung im Hotel – ohne Technikstress?
Die gute Nachricht: Du musst nicht selbst XML-Dateien schreiben. Es gibt drei Wege, wie du E-Rechnungen erstellen kannst:
Über dein Hotel-PMS:
- Moderne Systeme wie Clock PMS, HotelTime oder Protel bieten E-Rechnungs-Funktionen an.
- Nachteil: Nicht alle unterstützen ZUGFeRD/XRechnung out-of-the-box. Oft brauchst du ein Zusatzmodul (z. B. zimrly Rechnungs-Automatisierung).
Mit einer Buchhaltungssoftware:
- Tools wie lexoffice, SevDesk oder easybill generieren ZUGFeRD-Rechnungen automatisch.
- Vorteil: Du kannst Rechnungen direkt aus der Software an Gäste senden und archivieren.
- Beispiel: Ein 8-Zimmer-Hotel in der Eifel nutzt easybill und spart so 3 Stunden pro Woche bei der Rechnungsstellung.
Manuell über Online-Tools:
- Plattformen wie ZUGFeRD-Validator oder XRechnung-Generator der Bundesverwaltung.
- Nachteil: Fehlende Automatisierung – nur für sehr kleine Häuser mit wenigen Rechnungen sinnvoll.
Wichtig: Egal für welchen Weg du dich entscheidest – die Rechnung muss folgende Pflichtangaben enthalten (§ 14 UStG):
- Deine vollständige Adresse und Steuernummer
- Name und Adresse des Gastes (Firma)
- Rechnungsdatum und -nummer
- Leistungsbeschreibung (z. B. „Übernachtung inkl. Frühstück“)
- Nettobetrag, Steuersatz und Bruttobetrag
- Ausstellungsdatum der Rechnung
Was kostet die Umstellung auf E-Rechnungen – und wie viel sparst du?
Die Umstellung klingt teuer, aber sie rechnet sich schnell. Hier ein konkretes Beispiel für ein 15-Zimmer-Hotel in Baden-Württemberg mit 60 % Firmenkunden:
| Kostenpunkt | Einmalig | Monatlich |
|---|---|---|
| PMS-Anpassung (ZUGFeRD-Modul) | 400 € | – |
| Buchhaltungssoftware (lexoffice) | – | 25 € |
| Schulung der Mitarbeiter | 200 € | – |
| Gesamtkosten | 600 € | 25 € |
Einsparungen pro Jahr:
- Druckkosten: 300 € (1.200 Rechnungen à 0,25 € für Papier/Tinte)
- Porto: 180 € (600 Briefsendungen à 0,30 €)
- Arbeitszeit: 1.200 € (4 Stunden/Woche à 50 €/h für manuelle Rechnungsstellung)
- Gesamt: 1.680 € pro Jahr
Fazit: Die Umstellung amortisiert sich nach 4–5 Monaten. Und ab 2027, wenn die 250-€-Grenze entfällt, sparst du noch mehr.
Wie archivierst du E-Rechnungen richtig – und wie lange?
E-Rechnungen müssen 10 Jahre lang revisionssicher archiviert werden (§ 14b UStG). Das bedeutet:
- Unveränderbar: Die Rechnung darf nach dem Speichern nicht mehr bearbeitet werden.
- Maschinenlesbar: Das Finanzamt muss die Daten automatisiert auslesen können.
- Ort: Die Rechnungen müssen in Deutschland oder der EU gespeichert werden (kein US-Cloud-Speicher!).
Praktische Lösungen für Hotels:
Buchhaltungssoftware mit Archivfunktion:
- Tools wie lexoffice oder Datev Unternehmen online archivieren Rechnungen automatisch.
- Kosten: Ca. 10–20 €/Monat für die Archivfunktion.
GoBD-konforme Cloud-Speicher:
- Anbieter wie Scopevisio oder Agenda bieten sichere Archivierung an.
- Vorteil: Du kannst von überall darauf zugreifen.
Eigener Server:
- Für technikaffine Hotels: Ein NAS (Network Attached Storage) mit Verschlüsselung.
- Nachteil: Hoher Wartungsaufwand.
Beispiel: Ein 20-Zimmer-Hotel in Hamburg nutzt Datev und zahlt 15 €/Monat für die Archivierung. Die Rechnungen werden automatisch verschlüsselt und sind im Falle einer Betriebsprüfung sofort verfügbar.
Praxis-Beispiel: So stellt ein 8-Zimmer-Hotel an der Mosel auf E-Rechnungen um
Das Weinland Hotel Mya (Name geändert) in Bernkastel-Kues hat 8 Zimmer und vermietet zu 40 % an Firmenkunden (Weingüter, Handelsvertreter). Vor der Umstellung:
- Aufwand: 5 Stunden/Woche für manuelle Rechnungen (Drucken, Kuvertieren, Versand).
- Kosten: 1.200 €/Jahr für Papier, Tinte und Porto.
Schritt-für-Schritt-Umstellung:
- PMS-Check: Das Hotel nutzt HotelTime, das ZUGFeRD-Rechnungen unterstützt – aber nur mit einem Zusatzmodul.
- Buchhaltungssoftware: Entscheidung für lexoffice (25 €/Monat), weil es direkt mit HotelTime integriert ist.
- Schulung: Die Rezeptionistin lernt in 2 Stunden, wie sie Rechnungen im System erstellt und versendet.
- Testphase: 1 Monat lang werden alle Firmenrechnungen parallel als PDF und ZUGFeRD verschickt.
- Go-Live: Ab Januar 2025 nur noch ZUGFeRD-Rechnungen für B2B-Gäste.
Ergebnis nach 6 Monaten:
- Zeitersparnis: 4 Stunden/Woche (80 % weniger Aufwand).
- Kosteneinsparung: 900 €/Jahr (kein Papier/Porto mehr).
- Fehlerquote: 0 % (keine falschen Steuersätze mehr, weil das System automatisch prüft).
„Am Anfang hatte ich Bedenken, aber nach der Testphase war klar: Das spart uns nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Die Gäste merken keinen Unterschied – die Rechnung sieht für sie aus wie ein normales PDF.“ – Inhaberin des Weinland Hotels Mya
Das Wichtigste in Kürze
- Pflicht ab 2025: Für Rechnungen an Firmenkunden (B2B) über 250 € netto musst du ZUGFeRD oder XRechnung nutzen. Ab 2027 gilt die Pflicht für alle B2B-Rechnungen – unabhängig vom Betrag.
- ZUGFeRD ist die beste Wahl für Hotels: Es kombiniert PDF für Gäste mit strukturierten Daten für die Buchhaltung.
- XRechnung brauchst du nur, wenn du an Behörden vermietest.
- Umstellung lohnt sich: Ein 15-Zimmer-Hotel spart 1.680 € pro Jahr an Druck-, Porto- und Arbeitskosten.
- Archivierung ist Pflicht: E-Rechnungen müssen 10 Jahre lang unveränderbar und maschinenlesbar gespeichert werden.
- Tools helfen: Mit Buchhaltungssoftware wie lexoffice oder easybill erstellst du E-Rechnungen in Minuten – ohne Technikstress.
Dein nächster Schritt:
- Prüfe, wie viele deiner Gäste Firmenkunden sind (Tipp: Filtere in deinem PMS nach Rechnungsadressen mit „GmbH“, „UG“ oder „e. K.“).
- Sprich mit deinem PMS-Anbieter oder Buchhalter über ZUGFeRD-Unterstützung.
- Starte mit einer Testphase: Schicke 1–2 Wochen lang alle B2B-Rechnungen parallel als PDF und ZUGFeRD.
Die E-Rechnungspflicht kommt – aber mit der richtigen Vorbereitung wird sie für dein Hotel kein Stressfaktor, sondern eine Chance, Zeit und Geld zu sparen.